Tätigkeiten und Berufsfelder für Mineralogen

Die breitgefächerte naturwissenschaftliche Grundausbildung und das reichhaltige Spektrum instrumenteller analytischer Methoden befähigt den Mineralogen - unabhängig vom gewählten Kernfach - zur Bearbeitungvielfältiger wissenschaftlicher und technischer Fragestellungen. Diese Vielseitigkeit macht es dem Außenstehenden oft schwer, die Konturen des Berufsbildes zu erkennen. Deshalb bestehen wenig konkrete Vorstellungen über die Einsatzmöglichkeiten von Mineralogen in Industrie, Technik und Umweltforschung.

Neben wissenschaftlichen Tätigkeiten an Hochschulen (Grundlagenforschung und Lehre) und anderen staatlichen Forschungseinrichtungen, Max-Planck-, Fraunhofer-Institute), Ämtern (Umwelt-, Denkmalschutz-, geologische Landesämter), Materialforschungs- und Prüfanstalten, für die in der Regel eine Promotion erforderlich ist, bestehen für Diplom-Mineralogen Beschäftigungsmöglichkeiten in den unterschiedlichsten Industriesparten.

Eine auch nur annähernd vollständige Aufzählung dieser Sparten und der Problemstellungen würde den Rahmen dieser Kurzinformation sprengen, deshalb können nur einige Beispiele genannt werden:

  • Glasindustrie
    Glas und Glaskeramik
  • Keramische Industrie
    Steingut, Porzellan, Oxidkeramik, Sinterwerkstoffe, Biokeramik, Keramische Farben
  • Feuerfestindustrie
    Silikatische u. oxidische Ofensteine u. andere hochtemperaturbeständige Werkstoffe
  • Baustoff- und Bindemittelindustrie
    Zement-, Gips-, Kalk-Industrie, Dämmstoffe, Naturbausteine
  • Steine- und Erdenindustrie
    Mineralkonzentrate, Aufbereitungstechnologien; Flotation
  • Chemische Industrie
    anorgan. Füllstoffe, Pigmente, Fasern, Katalysatoren, Ionenaustauscher, Korrosionsschutz)
  • Schleifmittelindustrie
    Mineralische und synthetische Hartstoffe, Industriediamanten
  • Elektro- und Elektronikindustrie
    Halbleiterkristalle, keramische Supraleiter, Kristalle für piezoelektrische, hochfrequenztech-
    nische, optoelektronische u.ä. Anwendungen
  • Optische Industrie
    Einkristalle für Linsen, Prismen, opt. Spezialgläser, Laserkristalle
  • Umweltindustrie
    Abfallstoffe und Recyclingprodukte aus Müllverbrennungsanlagen, Kraftwerken u. ä.,
    Ölbindemittel, Deponieabdichtungsstoffe, Asbestentsorgung und Asbestersatzsstoffe)
  • Papierindustrie
  • mineral. Füllstoffe
    und weitere Bereiche wie:
  • Bergbau und Hüttenwesen
  • Düngemittelindustrie
  • Pharmaindustrie (incl. Zahnersatz)
  • Schmuckindustrie
  • Analytische Dienstleistungsunternehmen
  • Archäometrie u. Denkmalpflege

Grundsätzlich können die Tätigkeiten in der Industrie in 3 Aufgabenbereiche gegliedert werden:

Produktionsbereich
Bereitstellung, Aufbereitung und Charakterisierung von mineralischen Rohstoffen; Produktions- und Qualitätskontrolle, Analytik - auch von Prozeßrückständen, Abwässern etc.

Forschungs- und Entwicklungsbereich
Neu- und Weiterentwicklung von Materialien und Produkten, Prüfung und Verbesserung ihrer Eigenschaften - große Konzerne unterhalten hierfür teilweise eigene Forschungsinstitute

Anwendungsbereich
Anwendungsberatung, Verschleiß-, Fehler- und Schadensanalyse; Umweltverträglichkeit, Sanierung, Recycling, Deponierung - oft Tätigkeiten beim Kunden im Außendienst

Der Mineraloge steht meist in Konkurrenz mit Chemikern, Physikern, Verfahrenstechnikern, Chemie- oder Keramikingenieuren. Die Stärke der mineralogischen Ausbildung zeigt sich in dieser Situation in der bereitsdargestellten Vielseitigkeit und, ganz wesentlich, in der Erfahrung bei der Behandlung komplexer Stoffsysteme und den gefügeanalytischen und mikroskopischen Arbeitsmethoden.