Deutsche Mineralogische Gesellschaft

Willkommen auf der Webseite der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft e.V. (DMG)

Rückblick Archäometrie & Denkmalpflege 2021

Arbeitskreis Archäometrie & Denkmalpflege der DMG und Deutsches Bergbau-Museum

Das Experiment einer online-Tagung ist nach einhelliger Meinung der Teilnehmenden gelungen!
Vom 17. Bis 19. März konnten 200 Teilnehmer*innen sich zu 36 Vorträgen zuschalten, die von Archäometallurgie über Biomineralisate und Malerei hin zu Mineralen und Gesteinen reichten. Erstmals war auch wieder eine größere Zahl denkmalpflegerischer Themen vertreten. Es entspannen sich ausgeprägt lebhafte Diskussionen. Auch diejenigen, die nicht so vertraut mit Video-Konferenzformaten waren, fanden sich schnell in den Umgang mit dem neuen Medium ein.
Dazu kamen 14 Poster, die über eine ganze Woche hinweg bereits vor der Tagung online gestellt wurden, sodass man sich die Posterbeiträge intensiver anschauen konnte, als es bei Präsenztagungen möglich ist. Über einen link ließen sich die Autor*innen kontaktieren, die aber auch noch live Ihre Poster in einem kurzen Science-Slam vorstellten.
Als ganz besonders wertvoll und inspirierend empfanden alle das neue Format der thematischen Diskussionsforen in den Pausen, in denen fachliche und wissenschaftspolitische Fragen diskutiert wurden. Dieses Format soll bei späteren Tagungen fortgesetzt werden. Zu einigen der Diskussionsforen finden Sie hier auf der Webseite Zusammenfassungen.
Die Atmosphäre war von einer geradezu enthusiastischen Freude geprägt, sich endlich miteinander austauschen zu können, was auch über die Vorträge hinaus im virtuellen Pausencafé möglich war. 
Die extended abstracts sind in einem über 160 Seiten starken Tagungsband erschienen, der über das Deutsche Bergbau-Museum als Sonderheft 11 der METALLA-Reihe erhältlich ist.

Es grüßt
Euer/Ihr Tagungsteam
Susanne Greiff (Mainz), Sabine Klein (Bochum), Andreas Kronz (Göttingen) und Frank Schlütter (Bremen)
Arbeitskreis Archäometrie & Denkmalpflege der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft und Deutsches Bergbau-Museum

Diskussionsforen Archäometrie & Denkmalpflege 2021 

  • Isotopes in Archaeometry, Johanna Irrgeher (Leoben)
  • Datensammlung Glasanalysen: Sinn, Potentiale & Probleme, Andreas Kronz (Göttingen)
  • Montanarchäologie, Peter Tropper/Gerd Goldenberg (Innsbruck)
  • Status Quo und Zukunft der Archäometrie in Deutschland, Ina Reiche (Paris)
  • Biominerals in artefacts, Klaus Bente und Hieronymus Hölzig (Tübingen/Leipzig)
  • Einsatz verschiedener MS-Techniken im Bereich Archäometrie, Annemarie Kramell (Halle, Saale)
  • Probennahme und Analytik an Metallartefakten. Potentiale, Limitationen und mögliche gemeinsame Standards zwischen Erhaltung und analytischer Erkenntnis & Präzision, Katrin Westner (Lyon)
  • Wissenschaftskommunikation, Thomas Rose (Beer-Sheva, Israel) 
  • Historisches Kalkbrennen und Mörtelherstellung, Jörg Mutterlose (Bochum)
  • Bildgebende Verfahren in der Archäometrie, Thomas Prohaska und Anika Retzmann (Leoben)

Ergebnisse und Statements

Datensammlung Glasanalysen: Sinn, Potentiale & Probleme, Andreas Kronz (Göttingen) 
In alter Göttinger Tradition sammeln wir in der Arbeitsgruppe der analytischen Archäometrie Analysendaten historischer Gläser. Verfolgt man die Publikationen, so ist eine stetige Steigerung der jährlich publizierten Datenmenge festzustellen. Einheitliche Datenrepositorien gibt es (noch) nicht, teils wird der Sinn einer solchen Datensammlung sogar in Frage gestellt. Ich möchte eine Diskussion anstoßen, 1. was eine solche Datenbank alles enthalten sollte, 2. wie mit "kritischen" (Alt-)Daten umgegangen werden kann, 3. wie die technische Verfügbarkeit verwirklicht werden kann.
Forums-Diskussion: 
Andreas Kronz stellt die Bestrebungen der Göttinger Arbeitsgruppe vor, Glasanalysen aus den eigenen Laboren (u. A. Erbe von Karl-Hans Wedepohl, n>2000) und Literaturdaten in einer universellen Datensammlung zu vereinen.
Es wird selbstverständlich von keinem Teilnehmenden die grundsätzliche Notwendigkeit solcher Datenrepositorien in Frage gestellt, die in der Ankündigung genannten Aspekte führten dennoch zu einer lebhaften Diskussion.
Ein Diskussionspunkt bei Analysedaten ist die Qualität und deren Beurteilung, die letztendlich den "Verwaltern" eine solchen Liste obliegt: Sollen bestimmte Daten ausgeschlossen werden, oder wie ist die Datenqualität zu kennzeichnen? Die freie Entscheidung, welche Daten denn nun für bestimmte Auswertungen überhaupt brauchbar sind, liegt jedoch letztendlich bei den Nutzern einer solchen Datenbank. Beispielhaft werden hier Analysen mit portabler Röntgenfluorezenzanalysatoren (pXRF) genannt, die keinesfalls an die Qualität der vollquantitativen Haupt- und Spuren¬element¬analyse heranreicht.
Es werden verschiedene Aspekte diskutiert, die sowohl Verwaltung, Persistenz und Finanzierung betreffen. Die NFDI4Objects (https://www.nfdi4objects.net/ ) Initiative wird hier angesprochen, auch wenn es nicht direkt ein solches Einzelprojekt finanzieren kann. Ein Teilnehmer weist auf die Strukturen im Tübinger eScience Center und deren Kompetenzen hin (https://uni-tuebingen.de/forschung/forschungsinfrastruktur/escience-center/). 
Eine Teilnehmerin wünscht eine Vereinheitlichung zukünftiger Datenbankstrukturen und deren Einbindung z.B. in bestehende archäologische Materialdatenbanken. Eine solche Anbindung an bestehende Datenbanksysteme wird von anderen Forenteilnehmern eher kritisch gesehen, da sich die Strukturen oft zu sehr unterscheiden und damit in der Praxis kaum realisierbar seien.
Diskutiert wird ebenfalls, ob die alleinige Erstellung einer Datensammlung und ihre Strukturierung dem Anspruch einer wissenschaftlichen oder studienqualifizierenden Arbeit (Master- oder Doktorarbeit) überhaupt genügen würde. Ein Teilnehmer weist darauf hin, dass durchaus ein solcher wissenschaftlicher Anspruch besteht, so dass eine solche Datensammlung auch als Promotionsleistung bewertbar sei, selbst wenn keine eigene Datenerhebung stattgefunden hat.

Biominerals in artefacts, Klaus Bente und Hieronymus Hölzig (Tübingen/Leipzig)

Statement: Die Einrichtung der Foren war eine sehr gute Idee, die für die übergreifenden Themen sehr erfolgreich war und bei den konkreten Themen unterschiedliche viele Teilnehmer fand.  dies galt auch für die "Biominerale". mein Vorschlag, der schon bei der Tagung umgesetzt wurde, war, die jeweilige Zeit zu halbieren und zuerst ein übergreifendes Thema und danach max. 2 parallele Themen anzubieten. zudem wäre es gut, mit konkreten Statements und  Projektvorschlägen, was in einigen Foren der Fall war, initiativ zu sein. ich könnte mir auch vorstellen, auf der GNAA- homepage ggf. mit der DMG und GdCh, die Foren-Themen aufzugreifen und um Mitstreiter zu werben, was forschungsperspektiven zusätzlich beflügeln könnte. Das sollte bei der nächsten GNAA Vorstandssitzung besprochen werden. 

Probennahme und Analytik an Metallartefakten

Potentiale, Limitationen und mögliche gemeinsame Standards zwischen Erhaltung und analytischer Erkenntnis & Präzision, Katrin Westner (Lyon)
Das Forum war mit durchweg etwa 15-20 anwesenden Teilnehmern recht gut besucht. Nach einem kurzen allgemeinen Überblick zum Themenkomplex entwickelte sich eine vielfältige Diskussion auf Augenhöhe. Dabei standen vor allem Aspekte zur praktischen Anwendung verschiedener minimalinvasiver Beprobungsmethoden und persönliche Erfahrungen der Teilnehmer dazu im Vordergrund, bspw. Probennahme mittels verschiedener Bohrmethoden, mobiler Laserablation und oberflächennaher "Laugung". Der Austausch wurde durch die Vorstellung von den übrigen Foristen bislang nicht oder kaum bekannten Vorgehensweisen durch andere Teilnehmer bereichert, einschließlich Micromill zur Entnahme von Mikro-Bohrkernen (Dr. Andreas Kronz/Universität Göttingen) und anodische Oxidation zur schonenden Beprobung bei Vermeidung von oberflächennahen Korrosionsprodukten (Prof. Jürgen Schram/Hochschule Niederrhein). Allgemeiner Konsens herrschte unter den Teilnehmern über die Notwendigkeit, die Auswahl der Beprobungsmethode(n) in Abstimmung mit den Objektverantwortlichen an Material und Fragestellung anzupassen und dabei nicht nur etablierte Verfahren einzubeziehen.
Aus meiner Sicht kann ein positives Fazit zum thematischen Forum gezogen werden. Insbesondere im Hinblick auf den Austausch zur praktischen Nutzung verschiedener Methoden wies das Forum über die theoretische Diskussion hinaus. Meiner Meinung nach wäre es wünschenswert, Foren zu Aspekten der Analytik und Beprobung bei den Archäometrie-Tagungen zu veranstalten, um einen aktiven und aktuellen Austausch zu diesem zentralen Themenkomplex zu fördern.

Wissenschaftskommunikation, Thomas Rose (Beer-Sheva, Israel)

Nach einer kurzen allgemeinen Einführung durch den Forenleiter entwickelte sich eine rege Diskussion. Es wurde festgestellt, dass die Kommunikation mit Laienpublikum weiterhin deutlich zu wenig Bedeutung zukommt, sowohl in den Studiengängen als auch im Alltag. Während die Pressearbeit und Kommunikation mit der Öffentlichkeit oft dem Tagesgeschäft zum Opfer fällt, ist die Vermittlung entsprechender Kompetenzen in den Studiengangsplänen und -inhalten bislang oft nicht vorgesehen. Als Lösungsansätze dieses Problems wurde von den Diskussionsteilnehmerinnen und Teilnehmern eine enge Zusammenarbeit mit den Presseabteilungen der jeweiligen Institutionen angeregt (oft reicht dabei eine Nachricht an die Presseabteilung) sowie die Durchführung von Seminaren mit Fokus auf dieses Thema (z. B. Erarbeitung einer Ausstellung in Zusammenarbeit mit einem Museum, Konzeption von Ausstellungsführungen). 
Der Schwerpunkt der Diskussion verschob sich jedoch sehr rasch hin zum Selbstverständnis und vor allem zur Wahrnehmung der Naturwissenschaftlichen Archäologie in der Öffentlichkeit. Hierbei wurde insbesondere die Darstellung in den Medien thematisiert. Obwohl innerhalb der letzten 30 Jahre vielerorts zweifellos eine Emanzipierung der Naturwissenschaftlichen Archäologie hin zu einer eigenen Disziplin innerhalb des Faches stattgefunden hat (z. B. konsequente Vermittlung interdisziplinärer Arbeitsweisen in Bachelorstudiengängen), ist dies im interdisziplinären Forschungsrahmen nachwievor oftmals problematisch (z. B. keine oder nur späte Einbindung in Forschungsprojekte und dann oft als Dienstleister), auch wenn hier insbesondere aus Tübingen und Bochum positive Beispiele berichtet wurden. In der medialen Darstellung ist dieser Wandel bislang offenbar gar nicht angekommen (Darstellung naturwissenschaftlicher Archäologen oft als „Laborratten“ der Archäologen, ähnlich klischeehafte Darstellung wie z. B. der Forensiker in Krimis). Naturwissenschaftlich fundiertes archäologisches Fachwissen spielt auch in politischen Entscheidungsprozessen (z. B. mit Hinblick auf den Umgang der Menschheit mit Klimaveränderungen) gemäß den Erfahrungen der Anwesenden keinerlei Rolle. 
Lösungsansätze zu diesem Thema sind schwierig. Effektive Lobbyarbeit scheitert oft an den begrenzten Finanzen und/oder die allgemein hohe Arbeitslast macht eine umfassende, dauerhafte Präsenz und den Aufbau von entsprechenden Kontakten in den entsprechenden Kreisen praktisch unmöglich. Erschwerend kommt hinzu, dass Naturwissenschaftliche Archäologie in den Gremien der Drittmittelgeber bislang nicht als eigenständiges Feld sichtbar ist und die Existenz des Faches geschweige denn dessen Inhalte folglich gar nicht bewusst ist. Echte interdisziplinäre Forschungsanträge werden oft abgelehnt, da sie für die entsprechenden Gremien und Gutachter zu sehr außerhalb der jeweiligen fachlichen Ausrichtung liegen – nachdem die Antragsteller*innen sich entscheiden mussten, in welchem gleichermaßen unpassenden Gremium der Antrag eingereicht werden soll. Eine Änderung des Ist-Zustandes kann hier nur aus dem Fach heraus durch ein entsprechend selbstbewusstes und engagiertes Auftreten erreicht werden, möglichst vor allem durch die GNAA als unseren Fachverband. 
Als konkrete Ergebnisse des Forums sollen folgende Vorschläge umgesetzt werden: 

  • Auf der nächsten Tagung soll eine eigene Sektion für Konzepte und Beispiele zur Vermittlung naturwissenschaftlich-archäologischer Themen in die breite Öffentlichkeit geschaffen werden. Frau Prof. Dr. Sabine Klein hat dies als Vorsitzende der GNAA (ausrichtender Verband der nächsten Tagung) bereits zugesagt und um eine Podiumsdiskussion zu diesem Thema erweitert.
  • Die GNAA wird forciert an einer Etablierung eines Fachkollegiums für naturwissenschaftlich-archäologische Themen und an der Sichtbarkeit in der breiten Öffentlichkeit arbeiten. Hierfür wird den Mitgliedern per Mail ein Aufruf zu gehen, sich in einer entsprechenden Arbeitsgruppe zu engagieren. 
  • Alle Mitglieder sind aufgerufen, noch stärker als bisher den Kontakt zu den Presseabteilungen ihrer Institutionen zu suchen um naturwissenschaftlich-archäologische Themen in den Medien zu platzieren. Die GNAA wird diesbezüglich die Aktivitäten und Angebote auf ihrer Homepage ausbauen, ist dabei aber auf die Zuarbeit von Inhalten durch ihre Mitglieder angewiesen. 


Historisches Kalkbrennen und Mörtelherstellung, Jörg Mutterlose (Bochum)

Kurzfassung
Im kleinen Kreis, bei einer virtuellen Tasse Kaffee, fand das Diskussionsforum „Historisches Kalkbrennen und Mörtelherstellung“ wie geplant statt. Wie bei einer Life-Tagung erfolgte eine Kontaktaufnahme und ein Erfahrungsaustausch mit Kollegen/-innen, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Für meine stärker geologisch orientierte Betrachtungsweise ergab sich damit der gewünschte Zugang zu anderen Disziplinen, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Die sich daran anschließenden Emailkontakte haben Kooperationsmöglichkeiten für die Zukunft ergeben. Damit dürfte das Ziel dieses Forums erfüllt sein. 
Kommentare
Das Diskussionsforum „Wissenschaftskommunikation“, das ja für alle Teildisiziplinen von Bedeutung ist, sollte in Zukunft zentral ohne gleichzeitige Parallelforen stattfinden. Abgekoppelt davon dann die Diskussionsforen zu den einzelnen Unterthemen, wie es ja auch im März in Bochum gehandhabt wurde. Insgesamt ist diese Form der Diskussion in Kleingruppen „am Kaffeetisch“ nach meiner Einschätzung gut gelaufen. 
Mein Eindruck ist, dass Archäologen, Denkmalpfleger und andere Fachleute aus den stärker kunstgeschichtlich orientierten Bereichen nur untergeordnet vertreten waren. Wenn dieser Eindruck richtig sein sollte, wäre es überlegenswert, ob und ggf. wie diese stärker eingebaut werden könnten (Abendvortrag, Session). Eine solche Öffnung wäre sicher ein guter Beitrag zum Thema „Wissenschaftskommunikation“, das gesamte Thema wird auf eine breitere Basis gestellt. Dabei besteht andererseits die Gefahr, dass die Tagung sich zu weit und zu ausufernd orientiert. 
 

Redaktion

Dr. Stephan Buhre (Web-Redakteur)
Institut für Geowissenschaften
Johannes Gutenberg-Universität
Johann Joachim Becher-Weg 21
D-55128 Mainz

Tel: +49 (0)6131 39 24112
E-Mail: buhre(at)uni-mainz.de

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