Jahrestagung Archäometrie und Denkmalpflege in Würzburg 1998

Vom 23. bis 26. September fand in Würzburg die gemeinsame Jahrestagung der Arbeitskreise „Archäometrie und Denkmalpflege“ der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft und der Gesellschaft Deutscher Chemiker statt. Die Tagung wurde gemeinsam vom Institut für Mineralogie und vom Seminar für Klassische Archäologie der Universität Würzburg im Toskanasaal der Residenz ausgerichtet.

Am Mittwoch wurde die Tagung mit Grussworten des Vizepräsidenten Herrn Prof. Freericks, des Dekans des Fachbereiches Geowissenschaften Herrn Prof. Voßmerbäumer, des Leiters des Seminars für Klassische Archäologie Herrn Prof. Sinn, und des Leiters des Mineralogischen Instituts Herrn Prof. Okrusch eröffnet. Herr Prof. Sinn wies dabei auf die Bedeutung der erst in jüngerer Zeit intensivierten Zusammenarbeit von Archäologen und Naturwissenschaftlern bei der Bearbeitung archäologischer Fragestellungen hin. Er merkte auch kritisch an, dass diese relativ neue Arbeitsrichtung mit allen Chancen, die sie bietet, bei vielen Kollegen aus der Klassischen Archäologie in Deutschland nur sehr zögernd angenommen wird.

Nach der Tagungseröffnung wurde eine interessante Zusammenschau mittelalterlicher Destillierverfahren und der dazugehörenden Gerätschaften geboten, der dann Vorträge zu dem für die Archäologie sehr wichtigen Thema der Altersdatierung folgten. Am Mittwoch Nachmittag wurden dann Fragen zu den in frühester Zeit verwendeten Längeneinheiten ebenso angesprochen wie geoarchäologische Untersuchungen in Milet - das Thema des öffentlichen Abendvortrages. Der erste Tag klang aus mit einem Empfang in der Antikensammlung des Martin von Wagner Museums. Bei fränkischem Schoppen und belegten Brötchen konnten die Tagungsteilnehmer die Sammlung als ein sehr sehenswertes Stück des Würzburger Kulturangebotes geniessen.

Am nächsten Tag ging es um Bioarchäometrie. Wie ist der biochemische Erhaltungszustand von Knochenmaterial ägyptischer Mumien? Was lesen Genetiker aus alten Pergament- und Lederproben? Welche Fette und fetten Öle wurden in der Malerei wann verwendet? Diesen und zahlreichen anderen Fragen wurde hier nachgegangen. Weitere Themenkreise am Donnerstag waren Restaurierung, Archäometallurgie und Pigmente. Die Zusammensetzung mittelalterlicher Münzen, die Art der Korrosion in alten Orgelpfeifen oder auch die von Dürer verwendeten Farbpigmente spielten dabei eine Rolle. 

Ein Grossteil archäologischer Funde sind Keramiken oder Glasgegenstände. Es wundert deshalb nicht, dass die Themenbereiche „Keramik“ und „Glas und Glasuren“ fast den gesamten Freitag in Anspruch nahmen. Dabei wurde durch einen archäologisch-materialkundlichen Doppelvortrag zum Thema „Glasmatrix merowingerzeitlicher Perlen“ sehr schön gezeigt, wie Archäologie und Materialkunde Hand in Hand arbeiten können. Dasselbe wurde auch demonstriert durch einen archäologisch-naturwissenschaftlichen Vortragsblock zum Abschluss des Vortragsprogrammes, bei dem es um die verwendeten Malmittel bei der künstlerischen Ausstattung des Thomas-Evangeliars des Trierer Doms ging. Der Freitag endete mit einer Besichtigung der alten Apotheke und des Weinkellers im Juliusspital und einer anschließenden Weinprobe.

Am Samstag fand eine Nachexkursion zur Tagung statt. Sie führte zunächst zum Limesmuseum in Osterburken, wo der Aufbau eines im Kontext des Limeskastells ausgegrabenen römischen Bades sehr anschaulich rekonstruiert wurde. Es ging weiter zum Pompejanum in Aschaffenburg, einem Gebäude, das von Ludwig I. von Bayern nach dem Vorbild einer römischen Villa erbaut wurde. Ein Diskussionspunkt unter den teilnehmenden Archäologen, Mineralogen und Chemikern war hier die Frage nach den Farbpigmenten in der Farbe original römischer und der hier in der Rekonstruktion verwendeten Wandfarben. Abschluss der Exkursion war ein Besuch der Saalburg am Taunusrand, das wegen seiner schon im deutschen Kaiserreich durchgeführten Ausgrabung und Rekonstruktion berühmteste Limeskastell.

Resumé der Tagung: Den rund hundert Tagungsteilnehmern wurden 39 Vorträge und 28 Poster geboten. Das hohe inhaltliche Niveau der meisten Vorträge und aller Poster zeigt, dass die Archäometrie ihren etwas zweifelhaften Ruf einer Hobbybeschäftigung für Naturwissenschaftler inzwischen verloren hat und heute als junger Wissenschaftszweig wirklich in der Lage ist, in Zusammenarbeit mit den Archäologen gezielt archäologische Fragestellungen anzugehen und im Kontext des archäologischen Befundes auch zu beantworten.
Kurzfassungen der Vorträge sind publiziert in: Hauptmann, A. (1998): Archäometrie und Denkmalpflege - Kurzberichte 1998, ISSN 0949-4057, DMT-LB Bochum.