Tagung Archäometrie und Denkmalpflege in Potsdam 2007

Organisiert vom Arbeitskreis „Archäometrie und Denkmalpflege“ der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft (DMG) fand die Gemeinschaftstagung der archäometrischen Arbeitskreise der DMG und der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) sowie der Gesellschaft Naturwissenschaftliche Archäologie – Archäometrie (GNAA) vom 19. bis 22. September in den Räumen der Fachhochschule Potsdam statt. Die örtliche Organisation übernahmen dankenswerterweise Prof. Dr. Steffen Laue, Leiter des Studiengangs Restaurierung der Fachhochschule Potsdam, und Dr. Jens Bartoll, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten.

36 Vorträge und 20 Poster zu den Themen Glas und Glasuren, Metalle, Keramik und Ton, Stein und Konservierung, Malmaterialien zeigten den 112 Teilnehmern neben freien Themen wieder einmal die große Bandbreite der Archäometrie und Denkmalpflege.

Tagungsprogramm und Kurzberichte sind publiziert in: Sabine Klein und Steffen Laue (Hrsg.): Archäometrie und Denkmalpflege Kurzberichte 2007, Potsdam, ISSN 0949-4057.

Die Vor-Ort-Organisation konnte ein bemerkenswertes Rahmenprogramm bieten. Bereits die Besichtigung der Werkstätten und Labore des Studiengangs Restaurierung am ersten Abend bot viel Gelegenheit, Fachliches zu den Themen Metall, Holz, Stein und Malerei beizutragen. Entsprechend wurde beim anschließenden Umtrunk lebhaft weiter diskutiert. Auch der zweite Abend mit fachkundiger Führung durch den Neuen Garten durch Herrn Klenner, Chefrestaurator der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten mit anschließendem Gesellschaftsabend in der historischen Meierei ließen keine Wünsche offen. So erfuhr das hauseigen gebraute Bier von den Kennern auch die entsprechende Wertschätzung. "Wege der Wiedergewinnung Preußischer Königsschlösser" war das Thema des öffentlichen Abendvortrags am Freitag im Vortragssaal des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte. Dr. Burghardt Göres, Direktor der Schlösser und Sammlungen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten führte in einem eindrucksvollen virtuellen Rundgang durch einige Schlösser in einer fachlichen Tiefe, die wohl kaum ein Interieur ausließ.

In bewährter Tradition fand die Posterprämierung statt. Bewertet wurde neben optischem Gesamteindruck und ansprechender Gliederung die wissenschaftliche Qualität. Den ersten Preis erhielten die Autoren des Posters „Die Mosaikgläser des Martin von Wagner Museums in Würzburg: Archäologische und materialkundliche Untersuchungen“, V. Gedzeviciûtê, N. Welter, U. Schüssler, W. Kiefer, und C. Weiss, ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern aus Altertumswissenschaften, Physikalischer Chemie und Mineralogie der Universität Würzburg. Neben der hervorragenden Gestaltung dieses Posters überzeugten die solide Analytik, die Methodenkombination (Elektronen-Mikrosonde, Ramanspektroskopie) und die daraus resultierenden Schlussfolgerungen die Jury.

Der zweite Preis wurde für das Poster von M. Torge, I. Feldmann und K. Adam über „Analytische Untersuchungen an Glasproben aus dem Kloster Maulbronn“ vergeben. Den Autoren von der Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung (BAM) gelang durch die Analyse der Gläser und Literaturvergleich deren Herkunft auf wenige Glashütten des Schwarzwaldes festzulegen.

T. Gluhak, F. Mangartz und W. Hofmeister erhielten den dritten Preis für den Beitrag „Entwicklung mineralogischer Untersuchungsstrategien zur Provenienzbestimmung von Mühlsteinen der Römerzeit“. Ausführliche petrographisch-geochemische Untersuchungen lassen hier eine Datenbasis entstehen, die die zukünftige Provenienzbestimmung dieser wichtigen Werkstoffgruppe erheblich voranbringen wird. Die Arbeit ist ein Gemeinschaftsprojekt des Institutes für Geowissenschaften in Mainz und dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum.

Für die Teilnehmer, die bis Samstag blieben, bot die Exkursion den abschließenden Höhepunkt. Einen fachlich fundierten Einblick in die Problematik der modernen Skulpturen- und Bauwerkrestaurierung konnte auf den eingerüsteten Kollonaden gewonnen werden. Höhepunkt der Führung durch das Neue Palais bildete der Grottensaal mit seiner Vielzahl an Mineralstufen aus dem ehemaligen Preußen, die die Wände zieren. Die Identifikation und Zuordnung der Stücke wird die Mineralogen noch über Jahre beschäftigen. Der Rundgang durch Schloss Sanssouci bildete den Abschluss der Exkursion. Auch hier ging der Bezug zur den vorgestellten Themen der Tagung nicht verloren, hängen doch im Schloss die ältesten Gemälde, die unter Verwendung von Berliner Blau gemalt wurden. 

Nicht nur das ausgesprochen liebliche Spätsommerwetter, das die gesamte Tagung begleitete und zum Spaziergang in den Gärten und Parks Potsdams einlud, wird den Teilnehmern in guter Erinnerung bleiben!    (Andreas Kronz)