Jahrestagung Archäometrie und Denkmalpflege in Göttingen 2016

Die Vielfalt der geowissenschaftlichen Forschungslandschaft reicht auch bis in das Gebiet der Untersuchung von Kunst-und Kulturgut hinein. Anlässlich einer alle anderthalb Jahre stattfindenden Tagung trafen sich vom 28. September bis 1. Oktober 2016 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Arbeitskreises „Archäometrie und Denkmalpflege“ der DMG mit Kolleginnen und Kollegen der „Gesellschaft für Naturwissenschaftliche Archäologie – Archäometrie eV“ (GNAA) und dem „Arbeitskreis Archäometrie“ der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) am Geowissenschaftlichen Zentrum der Georg-August Universität Göttingen. Der Arbeitskreis der DMG war turnusmäßiger Ausrichter, während vor Ort Dr. Andreas Kronz als Tagungsorganisator fungierte.

Themen und Programm

Die 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten Gelegenheit, sich über eine große Bandbreite an Untersuchungsmaterialien und analytischen Techniken auszutauschen. 32 Vorträge und 23 Poster wurden präsentiert, darunter viele von dem sehr engagierten wissenschaftlichen Nachwuchs. Die Themenbereiche erstreckten sich über Fragen der Konservierbarkeit von Gesteinen, die Echtheitsbestimmung von Goldobjekten, bis hin zur Charakterisierung organischer Werkstoffe, Biomineralisate und keramischer Materialien. Insbesondere bei der Keramik und den Gesteinen zeigte sich erneut die Stärke der in den letzten Jahren etwas vernachlässigten klassischen Polarisationsmikroskopie. Die Methodenentwicklung zur Analyse stabiler Isotopensysteme des Kupfers und des Zinns zur Herkunftsbestimmung antiker Metallobjekte bildete einen weiteren interessanten Schwerpunkt. Auch prominente Stücke wie Elfenbein des Paläolithikums oder Meteoriteneisen aus dem Grab des Tutanchamun waren in Vorträgen vertreten. Der auf dem Gebiet der Untersuchung von Kunst- und Kulturgut immer stärker verbreitete Einsatz der portablen Röntgenfluoreszenz wurde auch in den Kaffeepausen intensiv diskutiert, insbesondere vor dem Hintergrund, dass diese Technik häufig in Händen von analytisch nur wenig geschultem Personal stattfindet. 

Der Landesarchäologe von Niedersachsen, Dr. Henning Haßmann, berichtete in dem gut besuchten öffentlichen Abendvortrag „Von Wildpferdjägern, Goldschätzen und Moorleichen“ über die forschungsorientierte Bodendenkmalpflege in Niedersachsen. Ein Ziel der Tagungsexkursion war dann auch einer der wichtigsten archäologischen Fundplätze der letzten Jahre, das „Harzhorn“, wo Reste einer Schlacht zwischen dem römischen Militär und Germanen entdeckt worden waren. Zum Abschluss wurde das „HöhlenErlebnisZentrum Iberger Tropfsteinhöhle“ besucht, in dem in einem großen Ausstellungsbereich auch die naturwissenschaftlichen Forschungen zu den bronzezeitlichen Toten aus der Lichtensteinhöhle präsentiert werden.

Ein mehr als 240 Seiten umfassender Tagungsband ist als Sonderheft Nr. 8 der Reihe „Metalla“ des Deutschen Bergbaumuseums Bochum erschienen (einige wenige Tagungsbände sind noch über die stellvertretende Sprecherin des Arbeitskreises, Susanne Greiff, zu beziehen – greiff@rgzm.de). Der Austragungsort der nächsten Tagung, die im Frühjahr 2018 stattfinden wird, steht noch nicht fest.