Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler (BDG) - Mitgliederversammlung und "Erster Deutscher Geologentag"

Im Rahmen seiner Mitgliederversammlung am 18. September 1999 in Bonn beschloß der seit 15 Jahren bestehende Berufverband eine lang geforderte und ebenso intensiv diskutierte Änderung seines Namens (bisher: "Berufsverband Deutscher Geologen, Geophysiker und Mineralogen", BDG) in "Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler" (BDG). Diese neue Bezeichnung soll nun auch die jungen Studiengänge wie Diplom-Geowissenschaftler und Diplom-Geoingenieur integrieren. Als ein weiterer Grund für die neue Namensgebung wurde angeführt, daß die Grenzen zwischen den genannten klassischen Disziplinen in Forschung und Praxis fließender werden und die zunehmende Internationalisierung hinsichtlich Ausbildung (Master, Bachelor, Credit-Point-System) und Berufspraxis diese umfassendere Bezeichnung nahelegt. Dabei bleiben Ziele, Aufgaben und Zweck des BDG unverändert .

Die weiteren im BDG-Mitteilungsblatt Nr. 87 (4/99, Seite 4/5) im Juli 1999 aufgeführten Satzungsänderungen wurden ebenfalls beschlossen.

Im Anschluß an seine Mitgliederversammlung veranstaltete der Berufsverband am Nachmittag des 18. September in Bonn seinen ersten "Deutschen Geologentag". Vorträge befaßten sich an diesem Tag mit aktuellen Themen zu Beruf und Hochschule:

DOHERR (Vorsitzender des BDG) wies in seinem Vortrag: "Berufsstand der Geologen, Geophysiker und Mineralogen an der Schwelle zum neuen Jahrtausend" auf die derzeitige, z.T. äußerst kritische Situation an deutschen Hochschulinstituten sowie auf die ungünstigen Berufsmöglichkeiten der jährlichen 500 Absolventen hin. Er führte aus, daß 30% der Absolventen geowissenschaftlicher Fächer im Öffentlichen Dienst unterkommen, 20% in Ingenieurbüros, nur 15% in der Industrie und 1% in Museen. Um mehr Arbeitsgebiete und -möglichkeiten für Geowissenschaftler zu schaffen forderte DOHERR u.a. verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, die Formulierung einer verbindlichen "Geo-Ethik", das Einbringen des Spezialwissens beim "Sustainable Development" sowie ein gemeinsames Nachrichtenblatt und eine Pressestelle für alle Geowissenschaftlichen Gesellschaften und den BDG.

JACOBS (Institut für Geophysik und Geologie, Universität Leipzig; Vorsitzender der Geokonferenz (Konferenz der Geowissenschaftlichen Fachbereiche an den deutschen Hochschulen) vertrat in seinem Vortrag über das "Studium der Geowissenschaften in Deutschland" die Bildung von Bündnissen zwischen benachbarten Hochschulen gegenüber der Schließung von Hochschulinstituten

BECKER-PLATEN (Vizepräsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) und des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung

(NLfB)) berichtete über die umfangreichen "Aufgaben der Staatlichen Geologischen Dienste - nationale und internationale Bedeuung". Die Aufgaben der BGR haben sich durch die rückläufige Rohstoffgewinnungsindustrie im In- und Ausland immer mehr in Richtung Kooperation/technische Zusammenarbeit verschoben.

RUCHAY (Ministerialdirektor; Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft, Abfall-wirtschaft, Bodenschutz und Altlasten im Bundesministerium) berichtete über die "Auswirkungen der EU-Wasser-Rahmenrichtlinien auf die Verhältnisse der Bundesrepublik". Die EU-Richtlinien seien hinsichtlich des Wasserrechts verbindliches Recht geworden, jedoch noch nicht in alle Sprachen der Gemeinschaft übersetzt. Damit ist das Ziel der Richtlinien, der Schutz von Oberflächen- und Grundwasser im europäischen Raum derzeit nicht erreichbar.

VELS (agiplan AG, Duisburg) berichtete über "Das deutsche geologische Consulting im internationalen Wettbewerb". EU-weite Ausschreibungen bestimmen hier den Markt. Er bezeichnet die Deutschen Geowissenschaftler zwar als Weltmeister im "exportieren ihrer Leistung" sind, jedoch tun sie sich schwer, ihre Dienstleistung im Ausland einzubringen. Letzteres wird zunehmend gefragt sein, da Teilleistungen von Aufträgen - deutlich preiswerter - bereits in dem betreffenden Land ausgeführt werden können.

Die Frage, warum geowissenschaftliche Themen so wenig medienwirksam sind, beleuchtete ein Vortrag von HALLET (WDR, Köln): "Zu wenig Sex-Appeal? – Die Geowissenschaften aus der Sicht eines Massenmediums". Natürlich ist die nicht lebende Materie schwieriger darstellbar als die lebende. Wie in einem Film gezeigt wurde, kann aber auch leblose Materie mit Hilfe von Medien für den Laien sehr ansprechend dargestellt werden. Um kurz und effektiv ein Projekt und seinen Nutzen zu erläutern ist mehr erforderlich, als allein Sachlichkeit. Wollen wir weiter forschen, werden wir zunehmend gezwungen sein, zahlende Institutionen von diesem Projekt und seinem Nutzen zu überzeugen und dafür zu begeistern. In diesem Punkt sind uns Amerikaner, die schon viel länger um Forschungsmittel werben mußten, voraus.

Zum ersten Ehrenmitglied des BDG wurde Prof. Dr. Werner KASIG (RWTH-Aachen) ernannt. Er schuf die Grundlagen des Berufsverbandes, ermöglichte seine Gründung und kooperierte mit den benachbarten wissenschaftlichen Gesellschaften.

Im Anschluß an die von über 100 Teilnehmern besuchte Veranstaltung lud der BDG die anwesenden Geowissenschaftler zu einem Abendbufett ein.

Am Vorabend des Ersten Deutschen Geologentages fand die Sitzung von Vorstand und Beirat des BDG mit Neuwahlen statt. Folgende Personen gehören zum amtierenden, bzw. zum neu gewählten Vorstand oder Beirat:

 

Vorstand:

Prof. Dr. Detlev DOHERR (Offenburg), Vorsitzender (noch gewählt bis 2001)
neu: Dr. Bernd VELS (Bonn), 1. stv. Vorsitzender (vorher: 4. stv. Vorsitzender), Bereich: Industrie und Wirtschaft (gewählt bis 2003)
Dr. Werner PÄLCHEN (Freiberg), 2. stv. Vorsitzender, Bereich: Ämter und Behörden (noch gewählt bis 2001)
Prof. Dr. Helmut HEINISCH (Halle/S.), 3. stv. Vorsitzender, Bereich: Hochschule/Forschung (noch gewählt bis 2001)
neu: Dr. Klaus BRENNER (Stuttgart), 4. stv. Vorsitzender (vorher: BDG-Beirat), Bereich: Firmen und Freiberufler (gewählt bis 2003)
neu: Dipl.-Geol. Axel NOLTE (Essen), Schatzmeister, (vorher 1. stv. Vorsitzender, Firmen und Freiberufler; gewählt bis 2003)
Dr. Franz RICHTER (Krefeld), Protokollführer (noch gewählt bis 2001)
neu: Dr. Kurt GOTH (Dresden), Pressereferent (gewählt bis 2003)
Dr. Dieter STOPPEL (Hannover), Redakteur (noch gewählt bis 2001)
Der geschäftsführende Vorstand besteht somit aus Prof. Dr. D. DOHERR, Dr. B. VELS und Dipl.-Geol. A. NOLTE

Beirat:

Industrie/Wirtschaft:
Dr. Thomas BÜTTGENBACH (Kiel, noch gewählt bis 2001)
neu: Dipl.-Geol. Markus ROSENBERG (Düsseldorf) (gewählt bis 2003; M. ROSENBERG war vorher BDG-Schatzmeister)
Firmen/Freiberufler:
neu: Dr. Karl-Norbert LUX (Gotha; gewählt bis 2003)
Dipl.-Geol. Ralf TREIBER (Düsseldorf, noch gewählt bis 2001)
Ämter/Behörden:
neu: Dr. Ulrike MATTIG (Wiesbaden; gewählt bis 2003)
Dipl.-Geol. Martin KIERON (Bochum; Amtszeit verlängert bis 2003)
Hochschule:
Prof. Dr. Hans-Jürgen GURSKY (Clausthal-Zellerfeld; noch gewählt bis 2001)
Dr. Sebastian REICH (Dietzenbach; noch gewählt bis 2001)
Studenten:
neu: Andreas GÜNTHER (Freiberg, gewählt bis 2003)
Der zweite Platz für einen Studentenvertreter im BDG-Beirat blieb unbesetzt.
Kassenprüfer wurden Dipl.-Geol. Dieter HORCHLER (Hannover) und Dr. Hellfried PETZOLD (Senftenberg).

Eva Kainka, Mühlheim