Metamorphosen

Eine Ausstellung des
Berufsverbands Bildender Künstler Oberbayern Nord & Ingolstadt e. V. (BBK)
im Biohistoricum Neuburg

Der Leiter des Biohistoricums in Neuburg an der Donau, Prof. Dr. Armin Geuss ließ sich von dem Vorschlag zu einem Ausstellungskonzept des BBK begeistern und öffnete spontan sein Haus der Bildenden Kunst. In seinem Katalogvorwort widmet er sich der Verbindung der Metamorphosen in Kunst und Wissenschaft.

27 Künstlerinnen und Künstler aus dem nördlichen Oberbayern setzen sich in ganz unterschiedlichen Arbeiten verschiedener Techniken und Materialien mit dem Thema der Verwandlung auseinander. Ihr Mittel zum Gestaltwandel ist die Fantasie. Ihre Metamorphosen fordern beim Betrachter im höchsten Maße Imagination heraus. Deshalb ist jedes Exponat dieser Ausstellung eine Herausforderung für die individuelle Vorstellungskraft des Betrachters und wird so für ihn zum spannenden Abenteuer.

Die 14 Wochen dauernde Ausstellung (31. 03. - 14. 07. 2002) wurde von einer Vortragsreihe begleitet, in der Wissenschaftler und Künstler den Begriff Metamorphose in ihrem Fachgebiet und nach ihrem Verständnis beleuchteten.

Den Auftakt machte kein Geringerer als Dr. Walter Mixa, Bischof der Diözese Eichstätt und Militärseelsorger der Bundeswehr. Seine Ausführung über „Die Wandlung“ befasste sich mit dem Vorgang während der Eucharistiefeier.

Im zweiten Vortrag machte der an der Ausstellung beteiligte Künstler Thomas Neumaier einen „Streifzug mit Lichtbildern“ durch die Kunstgeschichte in dem er die verschiedensten Spielarten der Metamorphose vorstellte. Hier zeigten sich ungeahnte Fantasievorstellungen von Künstlern aller Jahrhunderte, die das Publikum sehr beeindruckten.

Als Vertreterin der Wissenschaft Biologie, der jeder sofort den Begriff Metamorphose zuordnet, hatte sich Frau Prof. Dr. Dr. Christa Habrich, die Direktorin des Medizinhistorischen Museums Ingolstadt bereit erklärt, einen Vortrag beizusteuern. Sie referierte über das Leben und Schaffen der ersten weiblichen Naturforscherin von Weltrang, Sybilla Merian (1647 - 1717). 1679 publizierte diese erstmals kommentierte Kupferstiche unter dem Titel: „Der Raupen wunderbare Verwandlung“. Viele Bildbeispiele verdeutlichten die künstlerische Perfektion ihrer Darstellungen von Pflanzen und Insekten. Sybilla Merian beschränkte sich aber nicht auf Beschreibung und Ästhetik von Lebewesen, sondern betrieb Naturforschung in einem völlig neuen Stil, die auch die Aufzucht der Insekten und die genaue Beschreibung der Dynamik der Lebensvorgänge in allen Phasen des Lebenszyklus umfasste.

Auch die Geologie kennt Metamorphosen, und dem Berufsverband Bildender Künstler Ingolstadt ist es gelungen, für einen Vortrag über die „Gesteinsmetamorphose“ Herrn Dr. Rupert Hochleitner, den Kustos an der Bayerischen Mineralogischen Staatssammlung München, zu gewinnen. Durch seine für jeden verständliche und anschauliche Vortragsweise, wurde es sogar richtig spannend, sich bewusst zu machen, dass unsere Erde ein lebendiger Planet ist und die metamorphen Gesteine von den Bedingungen, die zum Teil vor Millionen von Jahren in unserem Heimatplaneten herrschten, verraten. Dass Dr. Hochleitner die konzentrierte Aufmerksamkeit seiner Zuhörer hatte, erwies sich durch die anschließenden Fragen. Noch eine ganze Stunde brauchte er, um die von ihm erweckte Neugier der Besucher zu stillen. (Hervorhebung d. Red.)

Als eines der lesenswertesten Epen der abendländischen Literatur werden die Metamorphosen des römischen Dichters Ovid bezeichnet. Der ehemalige Dramaturg und Schauspieler am Stadttheater Ingolstadt, Wolfgang Krebs, las an einem weiteren Abend aus diesen Verwandlungsgeschichten der römischen und griechischen Mythologie.

Zur Finissage der Ausstellung und gleichzeitig als Abschluss der Vortragsreihe wird am 14. Juli die Schauspielerin Uli Ackermann aus Eichstätt eine Lesung aus dem Roman von Christoph Ransmayr „Die letzte Welt“ in Szene setzen.

Fast ein Jahr intensive Vorbereitungszeit erforderte das Projekt “Metamorphosen“. Den kleinen Regionalverband Oberbayern Nord & Ingolstadt führte es an seine finanziellen und ideellen Grenzen.

Dass die Mühe, sich als qualifizierter Kulturträger zu präsentieren, gelohnt hat, bestätigen einmündig Rezensionen in der Presse, Besucherkommentare und Gästebucheintragungen.

Trotz aller Begeisterung am Gesamtkonzept der Ausstellung und der Bewunderung der künstlerischen Qualität der einzelnen Werke, bedauern die Künstler aber wie immer die Zurückhaltung des Besuchers beim Kauf eines Kunstwerks, der diesem doch sein weiteres Leben erfreuen und dem Künstler das seine erleichtern könnte.

Dagmar Hummel, Ingolstadt

(BBK Vorsitzende)