Geo2003: Geowissenschaften ins 3. Jahrtausend – Methoden, Materialien, Mechanismen
81. Jahrestagung der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft (DMG)
22. – 25. September, Bochum

Die Jahrestagung der DMG wurde in diesem September unter dem Namen Geo2003 als Gemeinschaftstagung mit der Geologischen Vereinigung (GV) und der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft (DGG) an der Ruhr-Universität Bochum veranstaltet. Der pflichteifrige Berichterstatter suchte vergeblich den gewohnten Numerus Currens der DMG-Tagungen auf dem Programmheft. Auch auf dem Vorsatzblatt fand er ihn nicht. Dies war kein Versäumnis, sondern Methode. Earth Sciences into the 3. Millenium hieß stattdessen das Motto. Der Blick geht erklärtermaßen nach vorn. Die Gemeinschaft der drei Gesellschaften steht für die Interdisziplinarität in den Geowissenschaften, die in vielen Studiengängen neuen Zuschnitts ja schon gelebte Wirklichkeit ist und für derzeitige Studenten vielleicht zur Selbstverständlichkeit wird.

Die Mineralogie (mit ihren Teilgruppierungen) ist vielerorts (wenn nicht überall) ein kleinerer Partner in der Gesamtheit der Geowissenschaften und daher gerade in Zeiten der Interdisziplinarität um so mehr gefordert, ihr eigenes Profil weiterzuentwickeln. Eine Herausforderung, die wir durchaus annehmen können. Um so bedauerlicher, daß der Trend zu zahlenmäßig mäßiger Beteiligung an den Jahrestagungen nicht durchbrochen werden konnte. Aber kein Lamento. Die Tagung sind wir!

Die vielen, die gekommen waren, erlebten eine hervorragende Veranstaltung. Dazu trugen sicher die günstigen räumlichen Verhältnisse im und um den Audimax und im Hörsaalzentrum Ost bei (mal davon abgesehen, daß ein durchschnittlicher Naturwissenschaftler erst ungefähr Donnerstag Mittag sichere Orientierung im HZO erlangt hat, aber das ist den Organisatoren der Tagung ganz sicher nicht anzulasten). Aber nicht dem Architekt gebührt das Lob. Die Tagung hatte ein klares Konzept. Die Vormittage gehörten komplett den Plenarvorträgen. Die angemeldeten Vorträge fanden nachmittags von 14.00-16.30 Uhr in kompakter Form statt. Die Poster-Session wurde dadurch deutlich aufgewertet und hatte, begleitet von Bierausschank und nichtalkoholischem Mineralwasser, von 16.30 bis 18.30 eigentlich eine prominente Rolle erhalten. Zumal die Poster über die ganze Tagung hängen bleiben konnten. Trotzdem hatte ich nicht den Eindruck, daß an den Postern mehr diskutiert wurde. Aber daran ist gewiß nicht das Konzept schuld, eher die Gewohnheit. Wir sind die Tagung!

Ein Großteil der Poster-Teilnehmer hat das Konzept aufgegriffen und die Beiträge möglichst früh aufgehängt. Manche haben es vorgezogen, dem eigenen Poster lieber fern zu bleiben, obwohl zu dieser Scheu gar kein Anlaß bestand. Ich persönlich rege für die Zukunft an, das Konzept grundsätzlich beizubehalten, und die als Poster-Session eines jeden Tages angekündigten Beiträge räumlich kompakt zusammenzufassen und optisch zu markieren, vielleicht mit einer Montags-, Dienstags- und Mittwochsfarbe.

Habe ich jetzt zu viel von den Postern gesprochen? Die Nachmittags-Vorträge waren ganz überwiegend von hoher Qualität. Ein paar Auszüge aus den Titeln von Symposien mit „funktionierenden“ Themen, also vollem Programm, zum Teil an zwei Tagen: Mineral surfaces – simulation of geodynamic processes – subterranean biosphere – new analytical techniques – in-situ experimental determination of rock and mineral properties – nano- and microstructure of materials. Überhaupt viel nano. Unsere Wissenschaft zeigte ein ziemlich frisches Gesicht. Auf der Mitgliederversammlung wurde gefragt, ob Englisch inzwischen zur Tagungssprache geworden ist. Ich wiederhole mich, wir bestimmen das selbst.

Die Plenarvorträge waren thematisch sehr breit angelegt. Sie deckten die Skala vom Atom bis zum Interstellarraum ab und zwischendrin hatte auch unsere Erde ihren gebührenden Platz – was will man mehr? Einige wurden zu Höhepunkten der Tagung.

Die Geo2003 ist ihrem Anspruch als moderne Tagung gerecht geworden in einer Wissenschaftsdisziplin, die bereit ist, sich beständig neu zu definieren. Der Gesellschaftsabend im Deutschen Bergbaumuseum mit direkter Anknüpfung an die Kumpel-Tradition des Ruhrgebiets wirkte da im ersten Moment wie ein unpassender Rückgriff. Aber ganz im Gegenteil. Museumsführung und Blick vom Förderturm, der ja in Wirklichkeit gar kein echter Bochumer ist, kamen sehr gut an. In seiner lockeren Atmosphäre war dieser Gesellschaftsabend ganz sicher einer der gelungensten der letzten Jahre. Das Team um Walter Maresch und Olaf Medenbach hat mit der Geo2003 einen hohen Standard gesetzt.


Ralf Milke, Basel
ralf.milke@unibas.ch